So läuft ein Brandschadengutachten ab: Von Sichtprüfung bis Bericht

Ein Brandschadengutachten schafft Klarheit, wenn nach einem Feuer Unsicherheit herrscht. Es dokumentiert, bewertet und entscheidet über die Zukunft eines Bauwerks.

Dieser Beitrag erklärt Schritt für Schritt, wie ein Brandschadengutachten im Stahlbetonbau entsteht – von der ersten Begutachtung bis zum fertigen Bericht – und zeigt, warum jede Phase entscheidend ist, um Tragfähigkeit und Sicherheit eines Stahlbetonbaus zu beurteilen.

Inhalt

  • Ein Brandschadengutachten ist Grundlage für Sicherheit, Kosten und Entscheidungen.
  • Start: Erstkontakt, Zieldefinition, Termin am Brandort.
  • Sichtprüfung dokumentiert Risse, Abplatzungen, Verfärbungen, freie Bewehrung.
  • Zerstörungsfreie Prüfungen: Ultraschall, Radar, magnetische Verfahren.
  • Bohrkerne & Laboranalysen prüfen Gefüge, Festigkeit, pH/Chloride.
  • Temperaturabschätzung und Gefügebewertung zeigen Brandintensität.
  • Tragfähigkeit: Bewertung von Betonfestigkeit und Bewehrungsschäden.
  • Bericht: Ergebnisse, Fotos, Berechnungen, Sanierungsempfehlung oder Rückbau.
  • Gerichtsfest: lückenlose Dokumentation für Versicherung und ggf. Gericht.
  • Ergebnis: klare Maßnahmenplanung und Risikominimierung.

Ein Brand verändert die Struktur eines Gebäudes tiefgreifend. Beton, Bewehrung, Beschichtungen – alles reagiert unterschiedlich auf Hitze. Oft sehen Bauteile nach außen hin unversehrt aus, während im Inneren bereits gravierende Schäden bestehen.

Hier setzt das Brandschadengutachten an: Es liefert die objektive Grundlage, um zu entscheiden, ob ein Bauwerk saniert, teilweise erneuert oder abgebrochen werden muss.

Ein Brandschadengutachten erfasst den Zustand von Beton und Bewehrung, bewertet die Tragfähigkeit und dokumentiert die Ergebnisse gerichtsfest. Es ist damit weit mehr als eine Schadensbeschreibung – es ist die Basis jeder Sanierungsentscheidung.

Oberflächliche Beurteilungen reichen nicht aus. Sichtbare Schäden wie Risse oder Abplatzungen sagen nichts über den inneren Zustand aus. Nur durch gezielte Prüfungen lässt sich feststellen, ob die statische Sicherheit gewährleistet bleibt.

Bevor die technische Untersuchung beginnt, steht die Organisation. Der Ablauf folgt klaren Schritten, um Sicherheit, Dokumentation und Nachvollziehbarkeit zu gewährleisten.

Nach dem Brand erfolgt meist eine Erstmeldung durch Eigentümer*in, Versicherung oder Behörde. Dabei wird festgelegt, was das Gutachten leisten soll: Tragfähigkeitsprüfung, Sanierungsempfehlung oder Beweissicherung.

Vor Ort erfolgt eine erste Einschätzung des Brandbereichs. Risse, Abplatzungen, Verfärbungen und freiliegende Bewehrung werden dokumentiert. Fotos, Skizzen und Messdaten bilden die Grundlage für die spätere Analyse.

Die Sicherheit steht an erster Stelle. Bereiche mit Einsturzgefahr werden abgesperrt, und die Begehung erfolgt nur mit Schutzausrüstung. Parallel wird die Situation lückenlos dokumentiert, damit alle Ergebnisse nachvollziehbar bleiben.

Jedes Brandschadengutachten basiert auf einer Kombination aus zerstörungsfreien Prüfungen und Laboranalysen. Nur durch diesen Methodenmix entsteht ein vollständiges Bild des Schadens.

Diese Verfahren prüfen das Bauteil, ohne es zu beschädigen.

  • Ultraschall misst Veränderungen in der Schalllaufzeit – ein Hinweis auf Risse oder Hohlräume.
  • Radarverfahren ermitteln die Bewehrungslage und Betondeckung.
  • Magnetpulverprüfung erkennt Oberflächenrisse an metallischen Bauteilen.

Bohrkerne werden entnommen, um Festigkeit, Dichte und Gefüge des Betons zu prüfen. In Laboren werden die Proben auf Wassergehalt, Chloride, pH-Wert und Druckfestigkeit untersucht. Diese Werte zeigen, ob die Betonstruktur dauerhaft stabil bleibt.

Verfärbungen und Kristallstrukturen geben Aufschluss über die maximale Temperatur während des Brandes. Mikroskopische Analysen zeigen, ob der Zementstein entfestigt wurde. So lässt sich rekonstruieren, welche Bereiche besonders stark betroffen waren.

Die gewonnenen Daten werden ausgewertet, interpretiert und in Bezug auf die Tragfähigkeit bewertet. Dieser Schritt verbindet Messtechnik mit Ingenieurwissen.

Die Festigkeit der Bewehrung wird anhand der Materialproben und Messdaten beurteilt. Ist der Stahl korrodiert oder durch Hitze verformt, wird seine Tragfähigkeit rechnerisch herabgesetzt.

Der Beton wird auf Druckfestigkeit geprüft. Je nach Temperaturbelastung verliert er bis zu 50 % seiner ursprünglichen Stärke.

Wichtig ist, wie tief die Schädigung in den Querschnitt reicht – oberflächliche Entfestigung kann oft saniert werden, tiefgreifende erfordert Verstärkung oder Rückbau.

Alle Ergebnisse fließen in eine Gesamtbewertung ein. Ingenieur*innen vergleichen Soll- und Ist-Werte, bewerten Sicherheitsreserven und leiten daraus konkrete Empfehlungen ab.

Das schriftliche Gutachten ist das Ergebnis aller Analysen. Es fasst Erkenntnisse, Prüfungen und Empfehlungen zusammen – klar gegliedert und nachvollziehbar.

Ein vollständiger Bericht enthält:

  • Beschreibung des Schadensereignisses
  • Lageplan und Fotos
  • Beschreibung der durchgeführten Untersuchungen
  • Messergebnisse und Bewertung
  • Sanierungsempfehlung oder Rückbauempfehlung

Auf Basis der Prüfungen wird festgelegt, ob und wie das Bauwerk instandgesetzt werden kann. Empfohlen werden Betoninstandsetzung, Korrosionsschutz oder statische Verstärkung. Bei schwerwiegenden Schäden kann der Rückbau erforderlich sein.

  • Das Gutachten muss nachvollziehbar und gerichtsfest sein.
  • Alle Messungen, Fotos und Berechnungen werden so dokumentiert, dass sie als Beweismittel dienen können.
  • Versicherungen stützen ihre Entscheidungen meist auf diese Unterlagen.

Ein Brandschadengutachten besteht aus mehreren Phasen, die sich inhaltlich ergänzen. Der Ablauf variiert je nach Größe und Art des Schadens, folgt aber einem festen Prinzip.

Phase 1 – Erstaufnahme:
Sichtung, Sicherheitsprüfung, Fotodokumentation.

Phase 2 – Untersuchung:
Probenahmen, zerstörungsfreie Prüfungen, Laboranalysen.

Phase 3 – Bewertung:
Auswertung, Tragfähigkeitsanalyse, Bewertung der Sanierbarkeit.

Phase 4 – Bericht:
Dokumentation, Empfehlungen, Kostenrahmen.

Der Umfang richtet sich nach der Brandintensität, der Zugänglichkeit und den Anforderungen des Auftraggebers.

Bei großen Projekten können mehrere Messtechniken kombiniert werden, um ein vollständiges Schadensbild zu erhalten.

In Sonderfällen werden zusätzliche Untersuchungen durchgeführt, z. B. chemische Schadstoffanalysen oder Gefügeuntersuchungen mit Rasterelektronenmikroskop. Sie dienen der Ursachenaufklärung und sichern Beweise für Versicherungs- oder Rechtsfragen.

Ein Brandschadengutachten ist kein bürokratisches Dokument, sondern ein Sicherheitsinstrument. Es schützt vor Fehleinschätzungen, reduziert Kostenrisiken und schafft Klarheit.

Nur durch ein fundiertes Gutachten lassen sich Schäden richtig bewerten und Sanierungen gezielt planen.

Einen vollständigen Überblick über Brandschäden, Bewehrungsschäden und Sanierung finden Sie im Hauptartikel: Brandschäden im Stahlbetonbau

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Die Stahlbetoningenieure Plus GmbH aus Gleiszellen-Gleishorbach ist spezialisiert auf Bauwerksprüfung, Zustandsbewertung und Instandhaltungsplanung von Betonbauwerken – fachkundig, zuverlässig und praxisnah.