Hochhausbrand in der Praxis: Was ein Brandschadengutachten wirklich klärt

Ein Brand in einem Hochhaus stellt Bauherren, Behörden und Sachverständige vor besondere Herausforderungen. Dieser Beitrag zeigt anhand eines realen Beispiels, wie ein Brandschadengutachten abläuft, welche Fragen es beantwortet und welche Konsequenzen sich daraus für Sanierung, Kosten und Sicherheit ergeben.

Inhalt

  • Thema: Hochhausbrand als Praxisbeispiel eines Brandschadengutachtens.
  • Ziel: Beurteilung der Tragfähigkeit und Sanierungsmöglichkeiten.
  • Prüfverfahren: Ultraschall, Radar, Bohrkerne, Laboranalysen.
  • Ergebnisse: Lokale Schäden, Tragfähigkeit erhalten.
  • Maßnahmen: Reprofilierung, Korrosionsschutz, Beschichtung.
  • Kosten: Sanierung wirtschaftlicher als Neubau.
  • Bedeutung: Gutachten als Basis für Sicherheit und Entscheidung.

Hochhäuser unterliegen extremen Brandschutzanforderungen. Hohe Brandlasten, lange Evakuierungswege und komplexe Tragstrukturen machen sie im Schadensfall zu Sonderfällen. Ein Hochhausbrand zeigt exemplarisch, wie wichtig ein strukturiertes Vorgehen und ein aussagekräftiges Brandschadengutachten sind.

Brandverlauf und betroffene Bereiche

Das Feuer brach in einer Technikzentrale im 7. Obergeschoss aus und breitete sich entlang von Schächten und Installationskanälen aus.
Hohe Temperaturen führten zu Abplatzungen an den Deckenrändern und zur Freilegung von Bewehrung in Teilbereichen.

Sofortmaßnahmen nach dem Brand

Unmittelbar nach dem Löschen wurde die Tragstruktur gesichert, lose Betonteile entfernt und der betroffene Bereich abgesperrt.
Eine Erstbesichtigung durch Sachverständige erfolgte noch am Folgetag.

Das Gutachten sollte klären, ob die Tragfähigkeit der betroffenen Bauteile weiterhin gegeben ist, welche Bereiche saniert werden müssen und welche Sicherheitsmaßnahmen kurzfristig erforderlich sind.
Darüber hinaus diente es als Grundlage für Versicherung und Sanierungsplanung.

  • Wie stark sind Beton und Bewehrung thermisch geschädigt?
  • Sind Verformungen oder Gefügeänderungen aufgetreten?
  • Kann die Nutzung des Gebäudes teilweise aufrechterhalten werden?
  • Welche Kosten entstehen für Sanierung oder Ersatzmaßnahmen?

Zerstörungsfreie Prüfungen

  • Mit Ultraschall und Radar wurden Betonfestigkeit und Bewehrungslage erfasst.
  • Magnetische Verfahren lokalisierten Risszonen und potenzielle Hohlräume.

Bohrkerne und Laboranalysen

  • Anhand von Bohrkernen aus stark und schwach betroffenen Bereichen wurden Druckfestigkeit, Chloridgehalt und pH-Wert bestimmt.
    Mikroskopische Analysen belegten, dass der Beton in Teilbereichen thermisch zersetzt war.

Temperaturabschätzung

  • Verfärbungen und Kristallstrukturveränderungen deuteten auf lokale Temperaturen bis zu 600°C hin.
    Diese Werte dienten als Grundlage für die rechnerische Bewertung der Tragfähigkeit.

Zustand des Betons

In den Randzonen zeigte der Beton Entfestigungen bis zu 15 mm Tiefe.
Die Hauptstruktur blieb intakt, die Druckfestigkeit lag über dem Sicherheitsniveau.

Zustand der Bewehrung

Die Bewehrung war in den betroffenen Bereichen teilweise korrodiert, jedoch mechanisch nicht plastisch verformt.
Durch Entfernen und Erneuern einzelner Stäbe konnte die Stabilität wiederhergestellt werden.

Tragfähigkeitsbewertung

Die Berechnungen ergaben ausreichende Sicherheitsreserven. Eine vollständige Erneuerung des Geschosses war nicht notwendig – lokale Sanierung war technisch und wirtschaftlich sinnvoll.

Entfernung und Reprofilierung

  • Schadhafte Betonschichten wurden entfernt, anschließend Reprofilierung mit Spritzbeton und polymermodifiziertem Mörtel.

Korrosionsschutz und Beschichtung

  • Die Bewehrung erhielt eine Korrosionsschutzbeschichtung. Abschließend wurde eine neue Brandschutzbeschichtung aufgetragen.

Qualitätssicherung

  • Messungen bestätigten die geforderte Druckfestigkeit.
  • Alle Arbeitsschritte wurden dokumentiert und durch eine Zweitprüfung verifiziert.

Das Gutachten ermöglichte eine klare Kostenzuordnung: Versicherung übernahm die Sanierung, da sie deutlich günstiger als ein Rückbau war. Die Dokumentation erfüllte gerichtsfeste Anforderungen und diente als Nachweis gegenüber Behörden.

Der Hochhausbrand zeigt, dass Brandschadengutachten weit mehr sind als Schadensberichte. Sie schaffen Klarheit über Tragfähigkeit, Wirtschaftlichkeit und Sicherheit – und ermöglichen rationale Entscheidungen unter Druck.

Mehr über Gutachten, Prüfverfahren und Sanierungsstrategien nach Brandschäden finden Sie im Hauptartikel: Brandschäden im Stahlbetonbau – Gutachten und Praxisbeispiele

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